Web 2.0 in der Finanzkrise
22. September 2008Martin Weingart von netzwertig.com stellt fest, „dass eine globale Konjunkturschwäche in Kombination mit der aktuellen Pleite- und Übernahmewelle im Finanzsektor nicht spurlos an der Web-Gemeinschaft vorübergehen wird.“
In seinem Beitrag vom 22. September 2008 macht er jedoch deutlich, dass neben allen Risiken, die sich in dieser Situation ergeben, auch Chancen auszumachen sind.
Risiken:
1. Sinkende Werbebudgets
In Zeiten der Krise kürzen Unternehmen gern am Marketing. Da für viele Startups Onlinewerbung die Haupteinnahmequelle ist, muss damit gerechnet werden, dass die Umsatzziele nicht erreicht werden können.
2. Kaufkraftschwund
Die Kaufkraft der Bevölkerung sinkt bei konjunkturellem Abschwung; es wird nur noch Geld für Essentielles ausgegeben. Nicht nur der stationäre Handel, sondern auch E-Commerce und Webanbieter, die kostenpflichtige Services anbieten, sind betroffen.
3. Erschwerte Kapitalbeschaffung
Um Finanzierungslücken zu schließen, benötigen Startups Fremd- oder Risikokapital. Es wird zukünftig schwieriger werden, an Finanzierung zu gelangen, da die Investoren verstärkt darauf achten werden, wie profitabel das Startup zu sein vermag und daher stärker selektieren.
4. Schließungswelle
Bestehende junge Internetunternehmen könnten in Schwierigkeiten geraten, wenn es ihnen nicht gelingt, eine Anschlussfinanzierung zu bekommen. Investoren prüfen künftig noch genauer, ob sie eine weitere Finanzierungsrunde eröffnen. Es kann also sein, dass bald eine Vielzahl von Unternehmen trotz vielversprechender Anfangsphase ihren Geschäftsbetrieb einstellen müssen.
Chancen
1. Onlinewerbung als Fels in der Brandung
Die Werbung geht dahin, wo die Nutzer sind: Da immer mehr Menschen immer mehr Zeit im Netz verbringen, wird Online-Werbung weiterhin eine vielversprechende Marketingmaßnahme sein. Selbst wenn sich ihr Wachstum abschwächt, so werden Unternehmen langfristig ihre Budgets von anderen Mediagattungen ins Netz umschichten.
2. Fokussierung auf Geschäftsmodell
Kritisch ist, dass die meisten Geschäftsmodelle auf Werbeeinnahmen basieren. Selbst wenn Onlinewerbung ihren Aufstieg fortsetzt, empfiehlt es sich für Startups, mehrere Standbeine zu haben, um nicht von nur einem Umsatzkanal abhängig zu sein. Es empfiehlt sich daher, das Geschäftsmodell zu überarbeiten und sich ggf. auf seine Kernkompetenzen zu fokussieren.
3. Hier sind die Talente
Umstrukturierungen in Zeiten der Krise bringen Jobwechsel mit sich. Für Startups ist das die Chance, an talentierte Mitarbeiter zu gelangen, die Erfahrung und frischen Wind ins Team bringen.
4. Mehr Zeit fürs Web
Finanzkrise und Kaufrückhaltung können das Mediennutzungsverhalten zu Gunsten von Web 2.0-Anbietern verändern. Die Leute verbringen mehr Zeit im Netz, was zu einer Reichweitensteigerung auf den entsprechenden Seiten führt.
5. Web-2.0-Einsatz in Unternehmen
Um Kosten zu sparen, lohnt es sich, auf Dienste im Netz zurückzugreifen. Cloud-Computing heißt das Zauberwort, durch das Unternehmen operative Anwendungen reduzieren können. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt und sorgen nicht nur für geringere Kosten, sondern auch für höhere Produktivität und Flexibilität.
Als Fazit zieht Martin Weingart, dass „das Internet kein vorübergehender Trend sondern eine Wachstumsbranche mit enormem Potenzial [ist und zwar] für alle, Privatpersonen wie Unternehmen. Für Startups ist [deshalb] jetzt der richtige Zeitpunkt, sich für turbulentere Zeiten in Form zu bringen.“
Tags: Auswirkungen der Krise auf Startups, Chancen, Risiken
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